Europa beginnt im Kindergarten: Wie die Käthe-Kollwitz-Schule Marburg Praxis und Ausbildung international verbindet
Marburg. Während Europa politisch vor großen Herausforderungen steht und Fragen nach Zusammenhalt, Demokratie und gemeinsamer Verantwortung neu diskutiert werden, setzt die Käthe-Kollwitz-Schule Marburg ein bewusstes Zeichen für gelebte europäische Zusammenarbeit. Mit dem 1&1-Projekt im Rahmen des Erasmus+-Programms stärkt die Fachschule für Sozialwesen die enge Verzahnung von schulischer Ausbildung und sozialpädagogischer Praxis über Ländergrenzen hinweg.
Im Herbst 2026 werden insgesamt fünf Vertreterinnen und Vertretern aus sozialpädagogischen Einrichtungen gemeinsam mit fünf Lehrkräften der Fachschule Studierende bei ihren Auslandspraktika begleiten. Die Reisen führen nach Schweden, Spanien, Lettland und Finnland. Dieses Tandem-Modell ist das Herzstück des Projekts: Praxis und Schule reisen gemeinsam, beobachten gemeinsam und reflektieren gemeinsam.
Enge Verzahnung von Schule und Praxis
Die Käthe-Kollwitz-Schule arbeitet seit Jahren eng mit Kitas, Vorschulklassen und Grundschulen in der Region zusammen. Diese Kooperation ist ein zentrales Element der Erzieherausbildung. Mit dem 1&1-Projekt wird diese Zusammenarbeit konsequent europäisch erweitert.
Praxisvertreterinnen und -vertreter erhalten im Ausland Einblick in frühpädagogische Einrichtungen, hospitieren, führen Gespräche mit Fachkräften und lernen andere methodische Ansätze sowie pädagogische Konzepte kennen. Gleichzeitig bringen sie ihre eigene berufliche Expertise ein und reflektieren gemeinsam mit Lehrkräften und Studierenden die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Bildungssysteme.
„Wir möchten, dass unsere Studierenden die Vielfalt europäischer Bildungssysteme kennen lernen, während unsere Praxispartnerinnen und Lehrkräfte gleichzeitig neue Impulse für ihre Arbeit bekommen“, erklärt Raphael Campana, Lehrkraft an der Käthe-Kollwitz-Schule Marburg. „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erleben nicht nur unterschiedliche pädagogische Konzepte, sondern können auch an Reflexionsgesprächen teilnehmen, die die Verzahnung von Theorie und Praxis in der Erzieherausbildung stärken.“
Für die Lehrkräfte eröffnet sich dadurch ein intensiver fachlicher Austausch, der unmittelbar in den Unterricht zurückfließt. Mehrperspektivität wird konkret erlebbar: deutsche Praxis, europäische Praxis, schulische Ausbildung und die Sicht der Studierenden treten in einen direkten Dialog.
Europa als Bildungsauftrag
Gerade in einer Zeit, in der europäische Werte nicht selbstverständlich erscheinen, gewinnt internationale Bildungsarbeit an Bedeutung. Das Erasmus+-Programm steht für Austausch, Offenheit und Solidarität. Für angehende Erzieherinnen und Erzieher bedeutet dies, frühzeitig interkulturelle Kompetenzen zu entwickeln und Bildung im europäischen Kontext zu verstehen.
Die sozialpädagogische Arbeit in Kindertageseinrichtungen ist heute stärker denn je geprägt von Vielfalt. Unterschiedliche kulturelle Hintergründe, Mehrsprachigkeit und globale Einflüsse gehören zum Alltag. Internationale Erfahrungen im Rahmen von Erasmus+ unterstützen Fachkräfte dabei, diesen Herausforderungen professionell und reflektiert zu begegnen.
Starke Ausbildung mit europäischer Perspektive
Die Erzieherausbildung an der Käthe-Kollwitz-Schule zeichnet sich durch ihre Praxisnähe aus. Theorie und Praxis sind eng miteinander verbunden. Das 1&1-Projekt verstärkt diesen Ansatz: Es macht deutlich, dass professionelle pädagogische Arbeit sowohl lokale Verwurzelung als auch internationale Offenheit braucht.
Mit fünf Praxisvertreterinnen und - vertretern sowie fünf Lehrkräften im Herbst 2026 zeigt die Schule, wie lebendig europäische Bildungskooperation gestaltet werden kann. Die Botschaft ist klar: Europa beginnt nicht erst in politischen Institutionen, sondern im Alltag von Bildungseinrichtungen. Und genau dort setzt die Käthe-Kollwitz-Schule Marburg an.
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